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Ein halbes Jahr das triste Studium im kalten Deutschland unterbrechen und in der Sonne am Meer studieren? Wer träumt nicht davon? Ich auf jeden Fall. Das war auch der Grund, weshalb ich mich vor zwei Jahren für das Abenteuer Auslandssemester Barcelona entschied. In der katalonischen Hauptstadt und zweitgrößten Stadt Spaniens gibt es über 20 Hochschulen. Die bekanntesten sind die Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) und die ursprüngliche Universitat de Barcelona (UB). Meine Hochschule in Deutschland hatte eine Partnerschaft mit dem Instituto Quimico de Sarria. Eigentlich früher ein chemisches Institut, wie der Name sagt, gibt es heute auch einen Lehrstuhl für Betriebswirtschaft. Der Vorteil der Gastuni war, dass sämtliche Kurse in Englisch und Spanisch angeboten wurden. So konnte ich mein Spanisch aktiv verbessern, wichtige bzw. schwere Kurse aber auch auf Englisch belegen. Du überlegst auch noch, ob Du ein Auslandssemester machen möchtest?

Die Vorbereitungen

Nach erfolgreich eingereichter Bewerbung ging es an die Vorbereitungen. Zu Beginn habe ich sämtliche Erfahrungsberichte verschlungen, die ich finden konnte. Im Vorfeld habe ich eine Auslandskrankenversicherung beim ADAC abgeschlossen und verschiedene Finanzierungsmöglichkeiten geprüft. In Deutschland war ich nicht BAfög berechtigt, aber mir wurde gesagt, dass man dann trotzdem die Chance auf Auslands-BAfög hat. Aufgrund der knappen Zeit hat es mir leider nicht mehr gereicht, es zu beantragen. Ich würde es aber jedem empfehlen es zu probieren. Denn ein Auslandssemester kann ziemlich teuer sein..

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Die erste Zeit

Mit Hannah und Jasmin, zwei anderen Mädels aus meiner Hochschule, startete ich Anfang Januar in unser sechsmonatiges Abenteuer. Die ersten Nächte verbrachten wir in einem Hostel nahe des Passeig de Gracia. Idealer Ausgangsort um ein WG-Zimmer in Barcelona zu suchen. Von Carlotta, der ehemaligen Austauschschülerin meines Freundes bekam ich den Tipp über die lokalen Plattformen Fotocasa und Idealista nach Zimmern zu suchen. Nach 5 Tagen Hostel-Leben auf engstem Raum hatten wir alle ein Zimmer gefunden. Meine WG und Hannahs WG trennte durch Zufall nur eine Straßenkreuzung.

Als kleine Vorwarnung: Die Zimmer in Barcelona sind sehr teuer und entsprechen oftmals nicht dem deutschen Standard. Viele Zimmer, die ich besichtigt habe, hatten die Fenster zum Hausflur raus oder überhaupt keine Fenster. Viele waren zudem nur wenige Quadratmeter groß und haben trotzdem 400 € und mehr gekostet.

Die WG

Ich bin letztendlich in einer WG in Eixample gelandet, einem der schickeren Viertel, mit großen Straßen, die im Schachbrettmuster verlaufen. Die einzelnen Blocks werden dort übrigens „manzanas“ genannt, auf Deutsch Äpfel. Die Wohnung teilte ich mir mit acht Spaniern und Südamerikanern und einem Italiener. Das war super für mein großes Ziel, mein Spanisch wieder aufzupolieren. Es bescherte mir allerdings auch die ein oder andere schlaflose Nacht mit viel Salsamusik, lauten Gästen und Besuchen der Polizei.. 😉

Ein kleiner Eindruck von Barcelona:

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Alltags Tipps

Nachdem Hannah, meine neue Freundin und Fastnachbarin, und ich uns in unseren WGs eingerichtet hatten, gab es noch ein paar Dinge, die wir besorgen mussten:
eine spanische SIM-Karte: Lebara war für uns ideal, da man den Tarif monatlich aufladen und ergänzen kann. Inklusive 500 Freiminuten nach Deutschland und mobilem Internet kostete der Tarif ca. 10 € im Monat.
ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel: Hier haben wir uns an das T-Jove gehalten. Ein Ticket für unter 25-Jährige, welches das komplette Stadtgebiet abdeckt. Es kostet für drei Monate 105 €. Damit waren wir stets gut bedient.
Grundnahrungsmittel für die WG: Es gibt viele verschiedene Supermärkte in Barcelona. Nach einigen Erkundungstouren war uns klar, dass Mercadona der günstigste Supermarkt ist. Und auch von der Übersichtlichkeit hat er mir gut gefallen. Dort haben wir dann auch meistens eingekauft. Hier findet ihr die Mercadona-Standorte in Barcelona.

Das Uni-Leben

Der Alltag an der Uni war in vielerlei Hinsicht gewöhnungsbedürftig. Zu Beginn waren es vor allem die Vorlesungszeiten, die mich zum Stutzen brachten. Meine Vorlesungen begannen nie vor 12 Uhr und endeten oft erst um 21 Uhr. Allerdings sind diese Zeiten lediglich angepasst an den allgemeinen Lebensstil in Spanien. Aufgestanden wird eher spät und auch die berühmte Siesta ist in Barcelona präsent. La cena, das Abendessen wird selten vor 23 Uhr aufgetischt und in den Club geht man erst gegen 2 oder 3 Uhr. Das harmoniert zum Glück wiederum gut mit den späten Vorlesungszeiten. 😉

Außerdem waren gute Noten im Studium lange nicht so einfach zu ergattern, wie ich zuvor von anderen Studenten gehört hatte. Es bestand Anwesenheitspflicht in den Kursen und 10 Punkte, also eine 1,0, zu erreichen, war beinahe unmöglich. Die Arbeitsweise bei Prüfungen war auch anders, als wir es in Deutschland gewöhnt sind. Die spanischen Studenten sind Meister im Googeln und Teamwork während der Prüfungen. Das schien die Professoren allerdings überhaupt nicht zu stören.

Das Leben in Barcelona

Alle Erlebnisse meines Auslandssemesters hier aufzuschreiben würde wohl den Rahmen sprengen. Deshalb werde ich meine Lieblingsorte und Restaurants sowie meine Kurztrips mit den besten Tipps auflisten. So bekommt Ihr hoffentlich einen kleinen Eindruck von Spanien und Barcelona.

Meine Lieblings-Restaurants und Bars

  • Caramba: eine urgemütliche Tapas-Bar im Viertel El Raval. Sehr leckere Tapas und tolle Cocktails (Carrer de la Cera 57).
  • Caj Chai: ein traditionelles Teehaus im Barrio Gótico mit über 100 Teesorten zum Durchprobieren und leckeren arabischen Süßigkeiten. Im Sommer gibt es außerdem superleckeren selbst gemachten Eistee (Carrer de Sant Domènec del Call 12).
  • Bar Oviso: eine kleine Bar mit Außenbereich, am Placa de George Orwell, ebenfalls im Barrio Gótico. Ein Tagesmenü mit Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch bekommt man hier für 6 €. Außerdem spielen auf dem Platz meistens Straßenkünstler, die den Aufenthalt im wunderschönen gotischen Viertel perfektionieren (Carrer Arai 5).

Das Mittagsmenü in der Bar Oviso

Straßenmusiker am Placa de George Orwell

 

  • Lime House: eine Bar in El Born, die den wohl besten Mojito macht, den ich je getrunken habe (für 3,50 €). Außerdem gibt es eine riesige Auswahl an Gin (Carrer dels Carders 31).
  • Brunch&Cake: ein Café in Eixample nahe der Station Provenç. Das beste Avocadobrot der Welt und auch die anderen Frühstücke sind super. Ich war so oft dort, dass ich fast alles durchprobiert habe (Carrer del Rosselló 189). Achtung: Es gab mehrere „Brunch&Cakes“, aber das in der Carrer de Rosselló fand ich am schönsten.

 

Frühstück_Brunch_and_Cake

Das Avocadobrot im Brunch and Cake

Meine Lieblingsorte in Barcelona

  • Placa del Sol: ein kleiner von alten Häusern umgebener Platz, mit sehr vielen Bars im Studentenviertel Gràcia. Auf dem Platz tummeln sich an lauen Sommerabenden duzende junge Leute mit Gitarren und trinken gemütlich Bier. Der Platz ist für mich der Inbegriff der Lebenslust!
  • Parque de Laberinto de Horta: Etwas außerhalb gelegen, aber gut mit der L3 (Station Mundet) zu erreichen, liegt der kleine verwunschene Park mit Labyrinth. Anders als die großen Parks direkt in der Stadt, kann man hier wirklich mal tief durchatmen und runterkommen. Es ist meist nicht viel los und die Gärten sind superschön. Außerdem ist es auch ein schönes Stück spanische Geschichte, da es die älteste noch erhaltene Parkanlage Barcelonas ist.

 

Parque de Laberinto de Horta

Parque de Laberinto de Horta

Kurztrips und Reisen

Anders als die Amerikaner und Asiaten, die mit mir studiert haben, habe ich mich an Trips innerhalb Spaniens gehalten, anstatt ganz Europa zu bereisen. Ich bin ja nach Spanien gezogen, um die Kultur in Spanien kennenzulernen. An Feiertagen und an Wochenenden bin ich mit Freunden meistens weggefahren. Wir haben zwei größere Trips nach Andalusien (2 Wochen) und ins Baskenland (1 Woche) unternommen, waren viel an der Costa Brava unterwegs und haben die restlichen Städte am Wochenende erkundet.

 

Meine Reiseziele im Auslandssemester

 

Wir haben unsere Unterkünfte für alle Reisen bei AirBnB gebucht. Ich hatte das damals das erste Mal probiert und war gleich begeistert. Meist haben wir private Zimmer bei Einheimischen gebucht, was super war. Wir haben fast immer „Geheimtipps“ von den Locals für Unternehmungen und Restaurants bekommen, die wir mit Hilfe von Tripadvisor und Co. nie gefunden hätten. Und wenn man nur ein oder zwei Nächte irgendwo bleibt, genügen ein privates Zimmer und ein Bad, dass man sich teilt. Für längere Aufenthalte haben wir auch mal ein kleines Appartement gemietet. Der Vorteil dabei war, dass man eine Küche hat und viel Geld sparen kann, indem man selbst kocht und Frühstück macht.

Wir sind eigentlich immer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gereist und haben es vermieden zu fliegen, um die Umwelt zu schonen. Meistens sind wir mit dem Bus von Ort zu Ort gereist, was günstig und auch komfortabel war. Das größte spanische Busunternehmen ist ALSA. Dort haben wir eigentlich meistens gute Busse gefunden. Züge haben wir immer über Renfe gebucht. Auch das hat gut geklappt und die Züge waren deutlich pünktlicher als in Deutschland. 😉

 

Eindrücke von unseren Reisen:

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Das Fazit

Alles in allem war mein Abenteuer Auslandssemester Barcelona ein perfekter Mix aus Studieren, Reisen, Barcelona erkunden und vielen Aktivitäten mit neu gefundenen Freunden. Neben den Reisen waren es besonders die Offenheit der Menschen und der abwechslungsreiche Alltag, die mich begeistert haben! Morgens einen Tee im Café um die Ecke, dann durch die Stadt zur Uni schlendern. Abends ein paar Bier mit Freunden an der Straßenecke trinken, leckere Tapas essen und gute Musik hören. Alles in allem war es die Lebenslust, die meine Zeit in Barcelona so schön gemacht hat! 🙂

Ich hoffe, ich konnte Euch einen kleinen Einblick in meine Zeit in Barcelona geben und die Tipps helfen dem ein oder anderen bei der Planung seines Auslandsemesters oder seiner nächsten Reise weiter.

Wenn Ihr Fragen habt, hinterlasst sie gerne in den Kommentaren!

 

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Janina

Janina

Praktikantin Kommunikation und PR bei Studibuch
Janina studiert Marken- und Medienmanagement. Vor Ihrem Masterabschluss schnuppert sie noch ein bisschen Start-up Luft und tobt sich mit dem Studibuch Blog aus.
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