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Spätestens seit der immer intensiveren Internetnutzung hinterlassen wir mehr und mehr Daten. Selten beschäftigen wir uns damit, wo und wie viele Daten wir hinterlassen. Genau hier kommt der Datenschutz im Internet ins Spiel. Doch was ist Datenschutz und wozu brauchen wir ihn überhaupt?

„Ich hab doch nichts zu verbergen?!“

Schließt Du Deine Wohnung oder Dein Zimmer hinter Dir ab? Teilst Du all Deine Bilder von frühesten Kindheitsjahren an bis heute mit dem Rest der Welt? Erzählst Du Anderen gerne von Deiner peinlichsten Geschichte aus Teenagertagen? Behältst Du Deine Passwörter und Deine Bankverbindung für Dich? Eben. Jeder hat was zu verbergen. Und jeder hat auch ein Recht darauf, etwas zu verbergen. Dieses Recht hat sogar den Rang eines Grundrechts und wird auch informationelle Selbstbestimmung genannt. Datenschutz ist ein Ausdruck dieser Selbstbestimmung und ein Tool, um selbstbestimmt durch das Internet zu navigieren.

Datenschutz vs. Datensicherheit

Datenschutz wird oft mit Datensicherheit verwechselt. Datenschutz bezieht sich aber auf den Schutz Deiner persönlichen Daten und Deiner Privatsphäre vor dem Zugriff Dritter bzw. auf einen angemessenen Schutz bei der Sammlung, Speicherung und Verarbeitung Deiner Daten.

Mit Datensicherheit ist dagegen die angemessene Sicherung Deiner Daten vor Datenverlust gemeint (z. B. durch Back-ups). Grundprinzipien des Datenschutzes sind u. a. das Sammeln möglichst weniger Daten sowie deren Zweckgebundenheit.

Datenschutz im Internet

Dein Browser

Der Webbrowser ist ein Computerprogramm zur Darstellung von Webseiten. Vor allem Firefox ist ein freier und datenschutzfreundlicher Browser. Es ist generell wichtig, dass Dein Browser aktuell ist und regelmäßig Updates installiert werden. Um das surfen noch sicherer zu machen, gibt es ein paar nützliche Tipps und Erweiterungen („Add-ons“) – hauptsächlich unter Firefox -, die wir Dir im Folgenden vorstellen:

  • HTTPS Everywhere: Verschlüsselt die Verbindung zwischen Deinem Browser und der aufgerufenen Webseite; erkennbar sowohl an dem „s“ nach http für „secure“ sowie am grünen Schlosssymbol links oben neben der URL-Leiste. Leider sind Webseiten standardmäßig über http erreichbar und nicht verschlüsselt. Das heißt, über http-Webseiten eingegebene Benutzernamen und Passwörter sind grundsätzlich für jeden einsehbar!
  • uBlock Origin: Verhindert das Anzeigen von Werbung.
  • NoScript: Damit kannst Du JavaScript- und Java-Plugins (Softwareerweiterungen) einzeln oder ganz zulassen oder im Browser verbieten, je nachdem ob Du den Skripten auf der Webseite vertraust. Am Anfang kann NoScript etwas anstrengend sein, dagegen kann die Einstellung „Allow Globally“ gewählt werden oder Ausnahmen zu einer Whitelist hinzugefügt werden.
  • Startpage oder Metager: Zwei Suchmaschinen, die ein Maximum an Privatsphäre bieten und Deine Sucheingaben nicht speichern.

Auch wenn die genannten Add-ons sehr nützlich sind, bist Du mit ihnen noch nicht anonym unterwegs. Das ist mit TOR („The Onion Router“) möglich. TOR ist relativ unkompliziert über die TOR-Webseite installierbar und ähnlich wie ein normaler Browser benutzbar.

Deine E-Mails

Jeder kennt E-Mail und doch geht man manchmal etwas unbedarft damit um. Das kannst Du dagegen tun:

  • Nicht alle Anhänge öffnen: Die am einfachsten zu befolgende Regel für E-Mails ist die, keine Anhänge von Unbekannten zu öffnen. Denn über Anhänge wird oft Schadsoftware transportiert.
  • Verschlüsselung von E-Mails: E-Mails sind leider grundsätzlich unverschlüsselt. Übertragen bedeutet das, dass das Versenden von E-Mails vergleichbar mit dem Abschicken einer Postkarte im Internet ist, die jeder lesen kann. Um eine E-Mail wie einen Brief im Netz zu verschicken, fehlt ihr der „Umschlag“, die Verschlüsselung. Um E-Mails verschlüsseln zu können, ist es notwendig, das freie und kostenlose E-Mail-Programm Thunderbird zu installieren und darüber ein Schlüsselpaar zu erzeugen. Wie man ein Schlüsselpaar erzeugt, was man sonst noch dafür benötigt und wie man die E-Mails Ende-zu-Ende (also komplett) verschlüsselt, kannst Du hier nachlesen.
  • Den E-Mail-Anbieter ggf. wechseln: Wie vertrauenswürdig ist Dein E-Mail-Anbieter? Auch der Mailprovider hat viel Einfluss auf die Privatsphäre der Nutzer. Als die besten Mail-Provider stufte die Stiftung Warentest 2016 Mailbox.org und Posteo.de ein. Diese sind zwar kostenpflichtig (1 Euro pro Monat), dafür aber sicher in Sachen Datenschutz.
  • Wegwerf-E-Mails benutzen: also E-Mails, die nur für einen Tag gültig sind. Das kann sehr praktisch sein, wenn man sich kurzzeitig irgendwo mit einer E-Mail-Adresse registrieren will, aber dabei nicht will, dass z. B. die persönliche E-Mail-Adresse dauerhaft Newsletter erhält.

Dein Betriebssystem

Ähnlich wie bei der Wahl des E-Mail-Providers, macht man sich auch beim Betriebssystem nicht allzu viele Gedanken. Dabei sind gerade Betriebssysteme relevant für die Privatsphäre. Das kannst Du berücksichtigen:

  • Windows & Windows 10: Windows 10 erfasst leider viele personenbezogene Daten – wie z. B. das Schreib- und Tippverhalten. Über die Datenschutzeinstellungen von Windows 10 kann man zwar einiges abstellen, dennoch wird deutlich mehr erfasst als bei Windows 7 und 8. Solange es noch Updates gibt, kann auch weiter auf Windows 7 und 8 zurückgegriffen werden. Aber auch bei diesen Versionen lohnt sich natürlich – wie immer – ein Blick in die Einstellungen zum Datenschutz.
  • macOS: Auch hier macht es Sinn, die Datenschutzeinstellungen zu prüfen und einzustellen, da viele persönliche Daten automatisch gespeichert werden. Genau wie Windows ist macOS allerdings proprietäre Software.
  • Linux-Distributionen: Linux ist ein freies und quelloffenes („Open Source“) Betriebssystem.  Es ist eher sicher und datenschutzfreundlich, weil es freie Software ist und daher von jedem überprüft und geändert werden kann. Linux erfordert aber etwas mehr Eigeninitiative vom Nutzer. Für Linux gibt es verschiedene Nutzervarianten („Distributionen“). Gute Einsteiger-Distributionen sind Kubuntu, Lubuntu und Xubuntu. Wer eine Distribution installieren möchte, sollte das nicht einfach so ausprobieren, sondern sollte auf jeden Fall vorher seine Daten sichern und sich am besten Hilfe und Unterstützung bei einer Linux User Group holen. Linux ist übrigens grundsätzlich kostenlos.

Hilfen & weitere Alternativen

Hilfe und Unterstützung bei der Umsetzung von Maßnahmen zum Datenschutz in Internet kannst Du bei Cryptoparties und bei den bereits genannten Linux User Groups erhalten. Hier findest Du außerdem weitere datenschutzfreundliche Alternativen für verschiedenste Webdienste.

Viele der Tipps sind mal leichter, mal schwerer umzusetzen und letztlich ist es oft ein persönlicher Kompromiss zwischen Bequemlichkeit und Datenschutz, den jeder für sich selbst ausloten muss. Wir hoffen, dass wir Dir dabei helfen konnten!

Kennst Du schon einige der genannten Möglichkeiten oder hast sie schon selbst genutzt? Wie stehst Du zum Thema Datenschutz? Teil uns Deine Meinung und Deine Tipps in den Kommentaren mit!

 

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Rebecca Hummler

Rebecca studiert Soziologie in Nordrhein-Westfalen. Nach unzähligen wissenschaftlichen Hausarbeiten hat sie ihre Leidenschaft für das Schreiben von Blogartikeln entdeckt. Außerdem begeistert sie sich für Musik, Fremdsprachen und Bücher.