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Im Studibuch Blog beschäftigen wir uns mit allen Themen, die für Studenten interessant und wichtig sind. Die Frage der Studienfinanzierung bewegt viele Studenten und auch schon Schüler. Oft ist das Geld zu knapp im Studium. Das Gründer-Team von Studibuch hat selbst viele Erfahrungen mit den Schwierigkeiten gesammelt. Eine Möglichkeit stellt der KfW Studienkredit dar. Beide Gründer von Studibuch haben diesen zur Finanzierung von Auslandsaufenthalten und zum Studienabschluss in Anspruch genommen. In unserem aktuellen Gastbeitrag stellt Anatoli Bauer von Uni-24.de die Konditionen betreffend Rückzahlung und Beantratung des KfW Studienkredits dar.

Der Studienkredit der KfW

Die KfW, Kreditanstalt für Wiederaufbau, zählt zu den größten Förderbanken weltweit. Bereits seit dem Jahr 2006 bietet die Kreditanstalt den KfW-Studienkredit an. Dank der immer besser werdenden Konditionen, wie der geringen Zinsen, wird dieser Kredit bei den meisten Studenten bevorzugt gewählt.

Ein Überblick über die Konditionen (alle Angaben ohne Gewähr; Stand: Juli 2017)

Die Höhe des Darlehens

Das Darlehen der KfW wird monatlich ausgezahlt. Hier kann zwischen einem monatlichen Betrag von mindestens 100 Euro und höchstens 650 Euro individuell gewählt werden. Die anfallenden Zinsen werden direkt von der monatlichen Auszahlungssumme abgezogen, somit ist der Betrag, der überwiesen wird, geringer. Wird der Kreditanstalt ein Leistungsnachweis vorgelegt, so können die Zinsen auch aufgeschoben werden, sie werden nicht mehr monatlich eingezogen. Die Kreditsumme ist übrigens unabhängig von BAföG oder Stipendien.

Dauer der Förderung

Der KfW-Studienkredit läuft mindestens sechs Monate und maximal drei bis sieben Jahre. Dabei gilt für sogenannte grundständige Studiengänge eine Dauer von maximal fünf Jahren und bei längerer Regelstudienzeit, wie etwa bei dem Studiengang Medizin, eine Dauer von maximal sieben Jahren.

Für postgraduale Studiengänge, wie Masterstudiengänge oder Promotionen gilt eine maximale Förderdauer von drei Jahren. Bei mehreren Studiengängen, die durch das Darlehen finanziert werden sollen, gilt eine maximale Dauer von sieben Jahren.

Hat der Student zu Beginn des Studiums ein Alter von über 39 Jahren erreicht, so gilt seit April 2013 eine maximale Auszahlungsdauer von sechs Semestern. Zwischen 34 und 39 Jahren beträgt die Dauer des Darlehens maximal zehn Semester.

Die Darlehensbedingungen

Der Studienkredit wird Studenten einer staatlich anerkannten Hochschule angeboten, die ein Erst- oder Zweitstudium, einen Master oder eine Promotion anstreben. Dabei ist zu beachten, dass der Kredit eine Höchstlaufzeit von 14 Semestern hat. Beantragt werden kann der Kredit von deutschen Staatsbürgern, sowie von EU-Staatsangehörigen. Letztere müssen sich jedoch mindestens drei Jahre im Bundesgebiet aufhalten. Das Höchstalter des Studienkreditnehmers liegt bei 45 Jahren zu Beginn des Studiums. Nach Abschluss des sechsten Semesters, muss ein Leistungsnachweis bei der KfW vorgelegt werden um ein erfolgreiches Studium nachzuweisen und somit den Kredit aufrecht zu erhalten.

Studierende, die einen Auslandsaufenthalt absolvieren möchten, können die monatlichen Kreditraten weiterhin beziehen, soweit sie weiterhin in Deutschland immatrikuliert bleiben. Der KfW-Kredit kann auch für ein weiteres Studium beantragt werden (z.B. Zweitstudium, Aufbaustudium). Hier gilt eine maximale Gesamtkreditsumme von 54.600 Euro, sofern bereits ein KfW-Studienkredit in Anspruch genommen wurde.

Studierenden, die einen Fachrichtungswechsel während der Kreditlaufzeit vornehmen, werden die bereits absolvierten Semestern abgezogen. Wurde vorher kein Studienkredit der KfW beantragt, so sollte es möglich sein, dass während der gesamten Studienzeit nach Fachrichtungswechsel dieser Kredit gewährleistet wird.

Es liegt aber kein Rechtsanspruch auf die Gewährung des Studienkredites vor. Die KfW entscheidet über die Vergabe eines Kredites.

Die Rückzahlung des Studienkredites

Die Rückzahlung des Kredites beginnt frühestens sechs Monate und spätestens 18 Monate, nach der letzten Auszahlung. Dabei gilt, dass jeweils im Oktober oder im April begonnen werden kann. Die Monate zwischen letzter Auszahlung und Beginn der Rückzahlung werden auf die früheste oder späteste Dauer addiert. So beginnt die Rückzahlung aller spätestens nach 23 Monaten, hierbei ist es nicht wesentlich, ob der Studierende noch studiert oder nicht.

Der Zinssatz kann sich jedes halbe Jahr ändern. Momentaner Stand ist ein Zinssatz von 3,42% bis zum 1.10.2017. Der bisherige Höchststand lag bei einem Zinssatz von 6,5%. Dieser orientiert sich dann an der Restlaufzeit des Kredits. Je länger der Rückzahlungszeitraum ist, desto höher fällt der Zinssatz aus, jedoch ist der dann fest und kann nicht mehr steigen.

Die Dauer der Kreditrückzahlung beträgt in den meisten Fällen zehn Jahre, eine Ausweitung auf bis zu 25 Jahre ist möglich. Im April 2013 wurde lediglich festgelegt, dass die Kreditsumme mit dem 67. Lebensjahr getilgt sein muss. Der Tilgungsplan kann jederzeit geändert werden, Sondertilgungen sind möglich.

Die Beantragung des Studienkredits

Erst wird geprüft, ob der Studierende an einer Hochschule studiert, die auch förderfähig ist. Dafür bietet die KfW auf ihrer Onlinepräsenz eine Suchfunktion an. Ist die Hochschule förderfähig, so kann der Antrag online ausgefüllt werden. Der ausgefüllte und ausgedruckte Antrag ist dann bei einem Vertragspartner der KfW vorzulegen. Zu den Partnern gehören viele, aber nicht alle, Sparkassen, Studierendenwerke und Volksbanken. Zu den bundesweiten Vertriebspartnern gehören unter anderem die Commerzbank, Targobank, Santander, Deutsche Bank, MLP Finanzdienstleistungen, Wüstenrot Bausparkasse, apo-Bank sowie die HVB-Hypo-Vereinsbank. Um einen Vertriebspartner in der Nähe zu finden, bietet die KfW auf ihrer Onlinepräsenz eine Suchfunktion an.

Der Leistungsnachweis (ebenfalls nach dem Fachrichtungswechsel)

Studierende, die von Beginn an ihr Studium mit dem KfW-Studienkredit finanzieren, haben dann ein Problem, wenn sie ihre Fachrichtung wechseln möchten. Beim Kredit der KfW gibt es keinen Aufschub, wenn es um den Leistungsnachweis geht, anders als beim BAföG. Doch sind die Bedingungen zu Gunsten des Studierenden gemildert worden. Brauchte er anfangs nach fünf Semestern 120 ECTS, dies entspricht vier absolvierten Semestern, so benötigt er heute nur noch 90 ECTS nach sechs Semestern. Teilzeitstudierende müssen noch weniger ECTS vorlegen. Alle näheren Informationen, sind in dem von der KfW zur Verfügung gestellten Formular online nachzulesen.

Studierende, die anfangs ohne Studienkredit der KfW studiert haben und diesen erst nach einem Fachrichtungswechsel beantragen, sollten keine Probleme mit der Laufzeit bekommen. Der Leistungsnachweis muss dann ganz normal nach sechs Semestern vorgelegt werden. Hier punktet der KfW-Kredit gegenüber der BAföG-Förderung, wobei in Ausnahmefällen auch ein Aufschub gewährleistet wird.

Fazit zum KfW-Studienkredit

Gewöhnliche Banken bieten in der Regel, keine Studienfinanzierung an und vergeben generell ungern Kredite an Studierende. Dank der Ausweitung des Kreditangebots im April 2013, ist der KfW-Studienkredit auch für ein weiteres Studium, wie das Zweitstudium möglich. Dadurch zeichnet sich dieser Kredit in seiner Vielseitigkeit aus.

Da viele Banken keine eigenen Studienkredite vergeben, verweisen sie auf die KfW und dienen als Vermittler. Wie beispielhaft die Deutsche Bank.

Ansprechend ist der KfW-Kredit auch für ältere Studierende. So kann eine BAföG-Förderung nur bis zum 35. Lebensjahr bezogen werden (im Masterstudiengang). Die KfW bietet ihren Kredit auch an Bachelor-Studierende bis zum 35. Lebensjahr an. Mit einer verkürzten Auszahlungsdauer sogar bis zum 45. Lebensjahr. Demnach ist der Studienkredit, besonders in der Altersgruppe, meist fast die einzige Möglichkeit der Finanzierung.

Die Banken, die Studienkredite anbieten, schreiben höhere Zinssätze fest und bieten keine Vollfinanzierung. Alle Studienkredite, auch der KfW-Studienkredit, haben variable Zinssätze, die sich ändern können. Die KfW legt ihre Zinsen halbjährlich fest und orientiert sich dabei am EURIBOR. So lag der höchste Zinssatz bei 6,5%. Er sollte noch höher ausfallen, durch politischen Druck, konnte er jedoch auf den Zinssatz gedeckelt werden. Nichtsdestotrotz zählt der KfW-Studienkredit zu den Krediten, mit den niedrigsten Zinsen.

Seit März 2012 gewährt der KfW-Studienkredit mehr Planungssicherheit, denn es kann ein Festzins beantragt werden. Dieser gilt dann für die gesamte Zeit der Tilgung, allerdings maximal für eine Dauer von zehn Jahren. Für diejenigen, die es in den zehn Jahren nicht schaffen den Kredit zu tilgen, besteht die Gefahr eines Anstiegs des Zinssatzes. Gerade in der heutigen Zeit kann schwer spekuliert werden, wie sich der Zinssatz entwickeln wird. Es besteht ein Risiko.

Mit der BAföG-Förderung verglichen, können Studienkredite nicht mithalten. Um auf Studienkredite verzichten zu können, müssten die Bedingungen für die BAföG-Förderung erheblich erneuert und verbessert werden. Leider fehlen die Gelder, selbst für eine kleine Ausweitung der Bafög-Förderung. Besonders zu achten ist darauf, dass der Beginn der Rückzahlung bei dem KfW-Studienkredit fest vorgeschrieben ist und sich nicht danach richtet, ob der Kreditnehmer in eine Arbeit hat oder vielleicht noch studiert und es sich nicht leisten kann, die Raten zu bezahlen. Beim BAföG wird darauf geachtet.

Oftmals wird der KfW-Kredit von Studienanfängern gewählt, die aus einem weniger gut verdienen Haushalt stammen. Die BAföG-Förderung ist nämlich abhängig vom Einkommen der Eltern. Da die Studienanfänger ihre Eltern nicht finanziell belasten möchten, wählen sie den Kredit, der die schlechtere Alternative bietet. Viele Abiturienten aus Familien mit geringem Einkommen studieren dann auch lieber gar nicht, als ihre Eltern um Unterhalt zu bitten.

Autor: Anatoli Bauer, Student der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Kassel & Betreiber der Webseite Uni-24.de

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