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Bestimmt hast auch Du schon einmal von Mikroplastik gehört. Wir alle kennen die erschreckenden Fotos toter Vögel und Meerestiere, deren Mägen voller Plastikmüll sind. Nach Schätzungen ist der bekannte schwimmende Plastikteppich im Nordpazifik so groß wie Zentraleuropa.

Und das ist noch längst nicht das ganze Ausmaß der Verschmutzung. Denn neben den großen, sichtbaren Plastikprodukten in den Weltmeeren, befinden sich auch winzige, kaum sichtbare Plastikpartikel in Kosmetik- und Pflegeprodukten, die ebenfalls in unser Wasser – und damit auch in die Nahrungskette gelangen.

In diesem Artikel erfährst Du die Hintergründe zum Thema Mikroplastik, wie gefährlich es wirklich ist, welche Folgen es hat und welche Maßnahmen Du ergreifen kannst, um das Ausmaß zu reduzieren.

Was ist Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden Kunststoffteilchen bezeichnet, die kleiner als fünf Millimeter sind. Häufig sind diese Partikel so klein, dass sie mit dem menschlichen Auge kaum noch erkennbar sind.
Es gibt primäres und sekundäres Mikroplastik. Bei primärem Mikroplastik handelt es sich um industriell hergestellte Kunststoffteilchen, die zum Beispiel im Kosmetikbereich eingesetzt werden. Sekundäres Mikroplastik entsteht, wenn größere Kunststoffteile wie Plastiktüten in kleinere Teile zerfallen.

Wie entsteht Mikroplastik?

Es gelangt auf verschiedene Wege in unsere Umwelt.

  • Eine der Hauptursachen ist der Zerfall von Plastikmüll in Seen und Flüssen durch Sonneneinstrahlung.
  • Ein weiterer Faktor ist das Waschen von Kleidung. In unserer Kleidung sind oft Kunstfasern wie Polyester enthalten. Bei jedem Waschgang löst sich eine Vielzahl dieser Fasern und gelangt dann ins Abwasser.
  • Auch der Abrieb von Reifen ist nicht zu unterschätzen. Auf unseren Straßen sind über 40 Millionen Autos unterwegs. Durch die Reibung beim Fahren löst sich immer etwas Material der Reifen (110.000 Tonnen im Jahr!!!) ab und gelangt durch den Regen in die Erde.
  • Vor allem in den Städten entstehen hohe Mengen Feinstaub, die winzige Kunststoffteile enthalten. Auch sie gelangen in die Luft, die Erde und das Grundwasser.
  • In Kosmetikprodukten wird Mikroplastik gezielt eingesetzt, um ihre Eigenschaften zu verbessern. Doch auch Kosmetika gelangen in den Wasserkreislauf, wenn wir duschen, wenn wir uns waschen oder abschminken. So kommen auch unsere Haut und Schleimhäute mit Mikroplastik in Kontakt.

Was ist so schlimm an Mikroplastik?

Das Problem an Mikroplastik ist, dass Mikroorganismen nicht in der Lage sind, Kunststoffe vollständig zu zersetzen. Stattdessen wird zum Beispiel eine Plastiktüte über einen Zeitraum von 450 Jahren kontinuierlich in immer mehr kleinere Teile zerlegt – aber nie vollständig abgebaut.

Außerdem können sich die Partikel in Organismen anreichern. Fische, Krebse und Muscheln verwechseln die Mikroplastikpartikel mit Nahrung und nehmen sie auf. Dadurch können ihre Schleimhäute, ihr Verdauungstrakt und ihre Atmungsorgane schwer verletzt werden. Diese Verletzungen gehen meistens tödlich aus.
Auch für Plankton und Muscheln ist Mikroplastik gefährlich und kann zu schweren Entzündungen führen.
Daneben wirkt es wie ein Magnet für Umweltgifte (Schwermetalle, Pestizide etc.). Sie lagern sich an seiner Oberfläche an, wodurch der Verzehr für Lebewesen noch gefährlicher wird.

Wenn Tiere nun diese Plastikpartikel aufnehmen und auf unseren Tellern landen, nehmen auch wir das Mikroplastik in uns auf. Mittlerweile gibt es auch Studien, die aufzeigen, dass Mikroplastik sogar schon in unserem Trinkwasser vorkommt. Noch ist unklar, wie sich der Verzehr des Mikroplastiks auf unseren Körper auswirkt. Wahrscheinlich ist jedoch, dass es wie bei Tieren Tumore entstehen lassen kann. Das Plastik wird dabei vom Körper als Fremdkörper erkannt und eingekapselt.

Warum wird Mikroplastik überhaupt eingesetzt?

Kosmetik

In der Kosmetikbranche werden Kunststoffe vor allem in Duschgels, Peelings oder Zahnpasta eingesetzt. Sie sind oft mit kleinen Körnchen versetzt, die abgestorbene Haut abtragen oder unsere Zähne weißer machen sollen. In Shampoos sorgen sie für eine angenehme Konsistenz, in Gesichtscremes, Make-up oder Lippenstift fungieren sie als Bindemittel.

Kunststoffe sorgen also dafür, dass Kosmetikprodukte eine bestimmte Anforderung (bessere Reinigungskraft, angenehmes Hautgefühl etc.) erfüllen.

Kleidung

In unserer Kleidung finden sich Kunststoffpartikel in Polyester- oder anderen Synthetikfasern. Der Vorteil von Polyester ist, dass es besonders günstig herzustellen ist. Daneben ist es sehr pflegeleicht und Flecken lassen sich vergleichsweise leicht entfernen. Außerdem ist es knitterarm und muss meistens gar nicht gebügelt werden. Polyester bietet zudem eine lange Haltbarkeit. Die Fasern werden chemisch gefärbt, wodurch Farben lange erhalten bleiben und nach dem Waschen nicht ausbleichen.

Kunststoffe sorgen also auch bei unserer Kleidung dafür, bestimmte Eigenschaften wie Elastizität, Haltbarkeit oder Pflegeleichtigkeit zu erfüllen.

Was kann ich tun, um Mikroplastik zu vermeiden?

Wenn Du im Alltag so gut es geht auf Plastik verzichtest, indem Du Papiertüten benutzt oder in Unverpackt-Läden einkaufst, trägst Du schon einen großen Teil für eine bessere Umwelt bei.
Genauso leicht kann es sein, gezielt auf Mikroplastik zu verzichten. Besonders im Kosmetikbereich ist das gar nicht mehr schwer, denn mittlerweile gibt es so viele Marken auf dem Markt, die gänzlich auf Mikroplastik und andere erdölbasierte Stoffe verzichten, dass Du trotzdem noch eine große Auswahl hast. Grundsätzlich gilt, dass für alle zertifizierten Naturkosmetik-Produkte Mikroplastik nicht zugelassen ist. Stattdessen werden pflanzliche oder mineralische Stoffe wie zum Beispiel Tonerde oder Salz verwendet. Du kannst also jederzeit unbesorgt auf Naturkosmetik zurückgreifen.

Wie kann ich Mikroplastik erkennen?

Bei „normalen“ Pflege- und Kosmetikprodukten solltest Du Dir die Zutatenliste genau ansehen. Dabei ist es nicht ganz einfach zu erkennen, ob Kunststoffe enthalten sind, da sie sich oft hinter komplizierten Begriffen verstecken.
Die häufigsten Inhaltsstoffe sind:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyamid (PA)
  • Polyethylenterephtalat (PET)

Wenn Du diese Begriffe in der Zutatenliste findest, kannst Du sicher sein, dass das Produkt Mikroplastik enthält, und solltest es lieber im Regal stehen lassen.

Einen praktischen Merkzettel mit weiteren Begriffen, hinter denen sich Mikroplastik verbirgt, findest Du bei Greenpeace. Du kannst ihn Dir ausdrucken und in Deinem Portemonnaie aufbewahren. So kannst Du beim Einkaufen immer überprüfen, ob Kunststoffe in einem Produkt enthalten sind und gegebenenfalls auf ein anderes zurückgreifen. Noch einfacher geht es mit der App „Beat the Microbead“. Damit kannst Du ganz einfach den Barcode eines Artikels scannen und die App zeigt Dir, ob Mikroplastik enthalten ist.

Im Kleiderbereich kann es etwas schwieriger sein, auf Kunstfasern wie Polyester, Polyamid, Elasthan oder Acryl zu verzichten. Die Fasern lösen sich beim Waschen, gelangen ins Abwasser und können auch durch Kläranlagen nicht rausgefiltert werden. Deswegen wird momentan an verschiedenen Lösungen wie Waschmaschinenfiltern oder speziellen Wäschebeuteln geforscht. Bis jetzt ist die effektivste Lösung jedoch, einfach auf Kleidung mit Kunstfaseranteilen zu verzichten. Besser ist es, auf Naturfasern wie Baumwolle, Leinen, Wolle oder Seide zurückzugreifen.
Und wenn Du doch Kleidung mit Kunstfaseranteil besitzt, dann wasche sie möglichst schonend und vorsichtig, sodass sich möglichst wenig Fasern lösen. Am besten benutzt Du den Schonwaschgang Deiner Waschmaschine oder wäschst das Kleidungsstück per Hand.

Noch sind die Risiken des Mikroplastiks nicht umfassend geklärt

Einigkeit herrscht jedoch darin, dass es keine positiven Folgen für die Umwelt und unsere Gesundheit hat. Deshalb sollte jeder von uns sein Bestes geben, um im Alltag auf Plastik und Mikroplastik zu verzichten.

Hast Du Dich schon einmal mit Mikroplastik und seinen Folgen beschäftigt? Lass uns gerne einen Kommentar da und erzähle uns, welche kleinen oder großen Schritte Du im Kampf dagegen unternimmst!

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Michelle Schnackenberg

Michelle Schnackenberg

Michelle steckt in den letzten Zügen ihres „irgendwas mit Medien“-Studiums. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in den Münchener Bergen, an der Nordsee oder mit der Nase in einem guten Buch. Ansonsten ist sie gerne kreativ, zeichnet, fotografiert, näht, musiziert und schreibt.
Michelle Schnackenberg