Durchschnittliche Lesezeit: 5 Minuten

 

Eigentlich sieht die Milch noch ganz normal aus. Und komisch riechen tut sie auch nicht. Trotzdem wird sie entsorgt, denn das Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen. Dieses Szenario wiederholt sich täglich in deutschen Haushalten. Doch muss das überhaupt sein? Bedeutet das Mindesthaltbarkeitsdatum wirklich, dass Produkte nicht mehr genießbar sind?

Was genau gibt das Mindesthaltbarkeitsdatum an?

Gleich vorab: Beim Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) von Lebensmitteln handelt es sich NICHT um ein Verfallsdatum. Dennoch landet laut Bundesministerium für Wirtschaft und Ernährung jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen in der Mülltonne. Und das, obwohl es gar nicht nötig wäre. Denn die meisten Lebensmittel sind auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar. Statt als Verfallsdatum ist es vielmehr als Empfehlung des Herstellers zu verstehen, die Produkte vor dem angegebenen Datum zu verbrauchen. Denn bis zu diesem Datum garantiert er Dir, dass das Produkt bei sachgerechter Aufbewahrung seine spezifischen Eigenschaften behält. Dazu gehört z.B., dass sich Farbe, Geschmack und Konsistenz von Lebensmitteln nicht verändern. Zu beachten ist aber, dass das Datum nur so lange gültig ist, bis die Verpackung geöffnet wurde. Denn dann dringen Keime und Sauerstoff ein, wodurch das Produkt schneller verderben kann.

Das Verbrauchsdatum

Neben dem Mindesthaltbarkeitsdatum gibt es das Verbrauchsdatum. Im Gegensatz zum Mindesthaltbarkeitsdatum sollte dieses wirklich genau genommen werden. Es gibt an, bis zu welchem Datum ein Lebensmittel auf jeden Fall verzehrt werden sollte. Ist dieses Datum abgelaufen, sind die Lebensmittel nicht mehr genießbar und sollten definitiv entsorgt werden. Das ist zum Beispiel bei Hackfleisch oder Fisch der Fall, da sich dort schnell gesundheitsgefährdende Keime bilden und die Gefahr einer Lebensmittelvergiftung besteht. Also hier gilt: Vor dem Datum verbrauchen!

Abschaffung des Mindesthaltbarkeitsdatums?

Im Alltag werden Mindesthaltbarkeitsdatum und Verfallsdatum oft miteinander gleichgesetzt. Und genau das ist das Problem. Denn aus diesem Grund werden Lebensmittel oft weggeworfen, obwohl sie noch genießbar wären. Deshalb gibt es häufig Diskussionen, ob das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) abgeschafft werden sollte. Stattdessen könnten beispielsweise elektronische Chips in Produktverpackungen verbaut werden. Diese sollen dann über eine sich verändernde Farbskala angeben, ob das Produkt noch genießbar ist. Er erkennt und berücksichtigt sowohl Lagerzeit als auch Temperatur. Falls die Kühlkette also unterbrochen wird, würde der Chip dies erkennen und sich schneller rot färben. Durch diese verlässliche Angabe soll das unnötige Wegwerfen von Lebensmitteln eingedämmt werden. Noch ist das Ganze allerdings ein Zukunftsszenario. Zum einen bedeutet die Produktion und das Anbringen des Chips höhere Kosten für Hersteller. Zum anderen wird kritisiert, dass durch die Fertigung des Chips zusätzlicher Müll entstünde, was nicht sonderlich ressourcenschonend wäre. Es bleibt also abzuwarten, wie sich diese Debatte entwickeln wird.

Wie kann ich erkennen, ob ein Lebensmittel noch genießbar ist?

Wenn Du Dich nun fragst, wie Du selbst erkennen kannst, ob ein Lebensmittel nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums noch essbar ist, haben wir hier eine kurze Liste für Dich:

Vertraue Deinen Sinnen

Besonders bei Milchprodukten oder Fleisch lässt sich am Geruch eindeutig erkennen, ob sie verdorben sind. Riecht es säuerlich, unangenehm oder ranzig, solltest Du es entsorgen. Auch wenn sich die Oberfläche von Fleisch verändert, es z.B. schmierig wird oder Druckstellen aufweist, solltest Du es nicht mehr essen.

Schimmel

Wenn Du auf Deinem Brot Schimmel entdeckst, solltest Du die ganze Packung entsorgen, denn es ist nie wirklich ersichtlich, wie weit die Schimmelpilze in das Brot eingedrungen sind. Auch bei Käse solltest Du so vorgehen. Klar, es gibt extra Schimmelkäse. Aber wenn dieser mit einer zusätzlichen Schicht mit roten, grauen oder grünen Flecken überzogen ist, solltest Du auch in diesem Fall den ganzen Käse entsorgen. Das Gleiche gilt für Säfte, Gemüse, Obst oder Nüsse.

Konsistenz

Nur weil sich die Konsistenz ändert, heißt es nicht, dass etwas schlecht geworden ist. Es ist nur nicht mehr ganz so ansehnlich. Wenn sich z.B. in Deinem Joghurt etwas Flüssigkeit oben absetzt, reicht es, ihn einmal umzurühren oder die Flüssigkeit abzugießen. Vertraue in solchen Fällen auf den Geruchstest.

Für eine ausführliche Liste, um zu erkennen, welche Lebensmittel noch haltbar sind, kann ich Dir die Übersicht der Verbraucherzentrale Hamburg sehr empfehlen:

Wie lange sind Lebensmittel wirklich haltbar?

MHD Milch

In ungeöffneter Packung hält sich Milch deutlich länger als beim Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben. Auch bei anderen Milchprodukten wie Joghurt ist dies der Fall. Im Test von Green Peace war herkömmlicher Naturjoghurt zum Beispiel 16 Wochen nach Ablaufen noch genießbar (vgl. Video).

 

MHD EierEier können ebenfalls nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verbraucht werden. Du kannst auch immer ganz einfach testen, ob ein Ei schon faul ist. Dafür legst Du es in ein Glas Wasser und wartest kurz. Schwimmt das Ei nach oben, ist es schon faul. Bleibt es am Glasboden, kannst Du es noch essen.

 

Lebensmittel, die sich noch Monate nach Ablauf des MHDs halten:

Lebensmittel die sehr lange haltbar sind

*bei trockener Lagerung

 

Lebensmittel, die nie verderben:

Lebensmittel, die nie verderben

Tipps für die Zukunft

Um in Zukunft zu vermeiden, dass Du unnötig Lebensmittel wegwirfst, kannst Du diese Tipps befolgen:

  • Unterschied zwischen Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum bewusst machen:
    „mindestens haltbar bis: …“ ist KEIN Verfallsdatum – Produkt ist bis mindestens zu diesem Datum haltbar und meistens noch länger genießbar
    „zu verbrauchen bis: …“  ist ein Verfallsdatum – Produkt ist nicht länger genießbar.
    Im Zweifelsfall auf die eigenen Sinne vertrauen
  • Schnell verderbliche Lebensmittel erst kaufen, wenn man sie braucht
  • Clever einkaufen: Du solltest vorher genau planen, was Du brauchst. Am besten erstellst Du einen Essensplan für die ganze Woche. Und dann kaufst Du nur, was auf Deinem Einkaufszettel steht.
  • Lebensmittel, die Du nicht mehr verwendest spenden oder tauschen

Ursprünglich wurde das Mindesthaltbarkeitsdatum 1981 dafür eingeführt, den Verbraucher vor Lebensmittelvergiftungen o.ä. zu schützen. Mittlerweile verunsichert es uns aber zunehmend.

Wir vertrauen diesen aufgedruckten Zahlen mehr als unseren Sinnen und unserem Verstand.

Denn Hand aufs Herz: Wie oft hast Du schon etwas ungeöffnet weggeworfen, ohne es wirklich zu hinterfragen, nur weil das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen war?

Deswegen versuche doch, ein bisschen mehr auf Deine Sinne zu hören! Wenn sich das Lebensmittel nicht auffällig verändert, ist es in der Regel auch noch gut. Ich denke, wir sollten diesem Datum nicht so viel Gewicht anheften, wie wir es oft tun. Vor allem, weil es eben kein Verbrauchsdatum ist. Wie denkst Du über das Mindesthaltbarkeitsdatum? Hältst Du es für sinnvoll oder glaubst Du, dass es irgendwann wieder abgeschafft wird?

 

Teilt jetzt unseren Beitrag:
Michelle Schnackenberg

Michelle Schnackenberg

Michelle steckt in den letzten Zügen ihres „irgendwas mit Medien“-Studiums. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in den Münchener Bergen, an der Nordsee oder mit der Nase in einem guten Buch. Ansonsten ist sie gerne kreativ, zeichnet, fotografiert, näht, musiziert und schreibt.
Michelle Schnackenberg