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Zu den Situationen, in denen ich mir wünsche, niemals geboren worden zu sein, zählt definitiv Präsentationen zu halten. Ich schreibe lieber drei sechsstündige Klausuren, als einen Vortrag oder eine Rede von 15 Minuten zu halten. Mein Körper reagiert auf diese Situationen mit sehr steinzeitlichen Instinkten, als stünde er statt einer gelangweilten, desinteressierten Meute, einer Bestie gegenüber. Schwitzige Hände und Fluchtgedanken beglücken mich, der Pulsschlag erlangt ungeahnte Geschwindigkeiten und ich mutiere binnen weniger Sekunden zum Zitteraal. Wenn es Dir da ganz ähnlich geht, bist Du hier richtig. Nicht nur, weil wir beide ein Leid teilen, sondern auch weil wir Dir nützliche Tipps zusammengestellt haben, wie Du und ich unsere Redeangst überwinden können. In den letzten, von Vorträgen und mündlichen Prüfungen geprägten Studienjahren, konnte ich meine Redeangst immer mehr in den Griff bekommen. (Naja zumindest meistens, aber ich arbeite dran 😉) Und ich bin mir sicher, dass Dir das auch gelingen kann.

Lampenfieber oder Redeangst?

Zunächst einmal solltest Du wissen, dass es ganz normal ist, Lampenfieber zu haben. Auch sehr geübte und erfahrene Redner haben Lampenfieber. Leichte Anspannung und Nervosität begleiten eigentlich jeden von uns, bevor er öffentlich auftritt. Lampenfieber kann sich sogar positiv auf Deinen Vortrag auswirken. Da Dein Körper Adrenalin ausschüttet, steigt Deine Konzentration und Aufmerksamkeit. Dein Körper konzentriert sich nur auf diese gegenwärtige Situation und befähigt Dich zu Höchstleistungen.

Redeangst gehört jedoch zu den sozialen Ängsten. Wir haben Angst vor Ablehnung, Blamage und Versagen. Wir wollen nicht, dass jemand merkt, dass wir Angst vor dem Reden haben – und dadurch verstärkt sie sich nur noch. Die Gedanken fahren Karussell: „Was denken sie nur, wenn sie merken, dass ich nicht vor Publikum sprechen kann?“, „Ich werde mich tierisch blamieren und alle halten mich für blöd“, „Bestimmt lachen sie mich danach aus!“ So oder so ähnlich spult sich der gleiche Film immer und immer wieder in unseren Köpfen ab.

Wie Du Deine Redeangst überwinden kannst

Redeangst zu überwinden braucht (leider) sehr viel Zeit und Übung. Da hilft auch Omas gut gemeinter Rat à la „Stell Dir doch einfach alle nackt vor!“ nicht. Oft ist diese Angst tief im Geist verankert und nicht so einfach abzulegen. Es fordert viel Disziplin, Mut und Geduld. Aber bevor Dich der Mut jetzt schon verlässt, liest Du am besten erstmal unsere Tipps:

Du bist nicht allein

Mache Dir bewusst, dass Du nicht alleine bist: Neben Dir und mir leiden nach Schätzungen 90 Prozent der Bevölkerung vor einer Rede oder Präsentation unter Lampenfieber und Nervosität und 40 Prozent unter Redeangst und Panik.

Vorbereitung ist das A und O

Wenn Du Dich gut vorbereitest, gibt Dir das eine Menge Sicherheit. Arbeite Dich genau ins Thema ein und bereite Dich schon auf mögliche Fragen vor. Mache Dir klar, dass Du derjenige im Raum sein wirst, der sich ausgiebig mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Du weißt mehr als alle anderen. Allein aus diesem Grund kannst Du schon selbstbewusst den Raum betreten und die Nervosität links liegen lassen.

Üben, üben, üben

Ja, klingt total ausgelutscht, aber hilft wirklich. Präsentiere Dir Deinen Vortrag doch einmal selbst vorm Spiegel. Oder nimm Dich auf Video auf. Zuerst kommt man sich natürlich bescheuert vor, außer man ist ein begnadeter YouTuber. Aber außer Dir bekommt es ja niemand zu Gesicht. So kannst Du Deine eigene Körpersprache einmal beobachten und Schwächen im Vortrag identifizieren. Außerdem hat das ganze den positiven Nebeneffekt, dass Du Dir Deinen Text viel besser einprägst, wenn Du ihn zusätzlich hörst. Du kannst auch probieren, Deine Präsentation anderen Menschen, wie Deiner Familie oder einem Freund vorzustellen. Ist im ersten Moment zwar auch immer seltsam, aber wenn ihr es beide ernst nehmt, kann Dein Zuhörer Dir Verbesserungsvorschläge und Lob geben. So gehst Du noch sicherer in den Vortrag. Wichtig ist, dass Du schon mit Deinen fertigen Notizkarten übst. So verinnerlichst Du Deine Stichpunkte automatisch und weißt im Notfall, wo was steht um darauf zurückgreifen zu können.

Körpersprache lernen

Lies doch mal im Internet oder einem Buch über Körpersprache. Denn wie Du Dich bewegst und wie Du gestikulierst wirkt nicht nur auf Dein Publikum, sondern auch auf Deinen eigenes Unterbewusstsein. Bewegst Du Dich sicher – auch wenn es nur aufgesetzt ist – fühlst Du Dich auch sicherer. Wenn Du Dich mit hängenden Schultern und rundem Rücken vor Dein Publikum stellst, machst Du Dich selbst klein und angreifbar. Nimm Deinen Mut zusammen, straffe Deine Schultern und stelle Dich mit beiden Beinen fest auf den Boden. Zwinge Dir vor dem Vortrag ein Lächeln aufs Gesicht. Auch wenn es sich nicht ganz richtig anfühlt, schüttet ein Lächeln automatisch Glücksgefühle in Dir aus.

Nutze das Law of Attraction

Ähnlich wie mit der Körpersprache, solltest Du auch mit Deinen Gedanken umgehen. Hast Du schon einmal vom Law of Attraction gehört? Es basiert auf der Vorstellung, dass Gleiches Gleiches anzieht. Es geht davon aus, dass zwischen Deiner Gedankenwelt und der Umwelt ein beeinflussbarer Zusammenhang besteht. Durch eine Änderung Deiner Einstellung und Gedanken, ändern sich auch die äußeren Umstände. Das was Du Dir vorstellst, ziehst Du an. Was Du zu sein glaubst, wirst Du sein. Wenn Du Dich veränderst, verändert sich Deine Welt.

Versuche also positiv zu denken, auch wenn Du Dich vielleicht dazu zwingen musst. Sag Dir immer wieder, dass Du sicher in Deinem Thema bist, dass Du gut geübt hast und dass es gut gehen wird.

Teile Deine Angst offen mit

Zu Beginn Deiner Präsentation kannst Du ganz offen mit Deiner Angst umgehen. Sprich sie laut aus. Du kannst sowas sagen wie „Hallo, heute halte ich einen Vortrag über Fotosynthese. Ich bin etwas nervös, bitte nehmt es mir nicht übel, wenn meine Stimme etwas zittert“. Wenn Du Deine „Schwächen“ gleich auf den Tisch legst, bieten sie keine Angriffsfläche mehr. Wer seine Schwächen und Ängste eingesteht und kommuniziert, verschafft sich Respekt und Verständnis. Und der Großteil im Publikum wird Dich verstehen! So kannst Du durchatmen, denn jetzt ist es raus! Es gibt nichts mehr, was Du verstecken musst, denn es wissen ja schon alle.

Tröste Dich selbst

Ich sage mir vor einer Präsentation gerne so etwas wie „In einer Stunde ist es ja schon vorbei“ oder am Abend vorher „Morgen um diese Zeit hast Du es schon geschafft“. Das tröstet mich immer ungemein und gibt einen kleinen Motivationsschub und befreit mich ein bisschen von meiner Redeangst. Ein Licht am Ende des Tunnels erscheint, bessere Zeiten kommen bestimmt.

Atem- und Entspannungsübungen

Bestimmte Atemübungen können Dir dabei helfen, Deinen Puls herunterzuschrauben. Auch da würde ich Dir empfehlen, ein Buch zu kaufen oder mal bei YouTube nach Tutorials zu schauen. Es gibt viele verschiedene Atemtechniken, die Dir helfen Dich zu entspannen. Und es ist bestimmt auch eine passende für Dich dabei. Entspannte Menschen atmen anders als aufgeregte. Wenn Du aufgeregt bist, ist Deine Atmung flacher und weniger tief. Bist Du entspannt, atmest Du gleichmäßiger und eher in den Bauch. Du kannst Deinen Kopf austricksen, indem Du Deinen Körper zwingst, wie ein entspannter Mensch zu atmen. So wirst Du automatisch ruhiger. Versuche also vor Deiner Präsentation bewusst ruhig und tief zu atmen.

Schluss mit der Redeangst

Wenn Du Deine Redeangst verlieren möchtest, geht das nicht von heute auf morgen. Wichtig ist, dass Du Geduld mit Dir hast. Mache Dich nicht verrückt, wenn mal etwas nicht so klappt wie Du willst, es kann nicht immer gut laufen. Aber wenn Du Dir unsere Tipps zu Herzen nimmst und versuchst, sie nach und nach umzusetzen, wirst Du Dich auf jeden Fall verbessern.

Versuche, häufiger Deine Komfortzone zu verlassen. Ich weiß, wie schwierig das sein kann. Doch gerade im Studium oder in der Schule kannst Du Dich noch ausprobieren. Irgendwann ist das Studium vorbei und Du musst niemanden davon wiedersehen, falls Dich das tröstet. Also nutze es als Chance, Dich zu verbessern und Deine Angst abzubauen. Suche Dir kleine Aufgaben und Challenges, die Dich fordern. Und vergiss nie: Du bist nicht allein mit Deiner Angst.

Was machst Du, um Deine Redeangst zu überwinden? Nutzt Du jede Chance, um sie zu überwinden oder vermeidest Du es gekonnt, Reden oder Vorträge zu halten? Was war Dein größtes Erfolgserlebnis? Oder Deine schlimmste Erfahrung? Hinterlass‘ uns doch einen Kommentar, dann können wir uns gegenseitig motivieren, aufbauen oder feiern! 😉 Oder hast Du noch weitere Tipps für uns? Immer her damit!

 

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Michelle Schnackenberg

Michelle Schnackenberg

Michelle steckt in den letzten Zügen ihres „irgendwas mit Medien“-Studiums. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in den Münchener Bergen, an der Nordsee oder mit der Nase in einem guten Buch. Ansonsten ist sie gerne kreativ, zeichnet, fotografiert, näht, musiziert und schreibt.
Michelle Schnackenberg