Durchschnittliche Lesezeit: 5 Minuten

 

Anfang Januar veröffentlichten wir einen Artikel zum Thema “Was ist Prokrastination?” und erklärten was es mit dem Trendbegriff, auch Aufschieberitis genannt, auf sich hat. Für den zweiten Beitrag zu diesem Thema waren wir nun auf der Suche nach Tipps gegen Prokrastination und haben uns dabei Unterstützung geholt…

Jodler helfen Jodlern

Persönliche Tipps lasse ich da lieber sein. Dinge aufschieben ist bei mir, gerade an der Uni, Alltag. Zwar wurde mir mein Prokrastinieren bisher nicht zum Verhängnis und ich konnte bisher die meisten Prüfungen dank viel Koffein und schlaflosen Nächten irgendwie überstehen. Gesund oder besonders schlau ist das aber auf jeden Fall nicht. Es müssen also bessere Lösungen her.

Ich startete daher ein kleines Experiment und plante eine Umfrage unter Studierenden. Bloß wo erreicht man am meisten Studierende? Natürlich auf der Jodel-App. Ich stellte also in den Uni-Channels mehrerer Großstädte – Fake-GPS sei dank – folgende Frage: «Tipps gegen Prokrastination?»

Das schreibe ich dir später…

Natürlich musste ich auf Jodel auch mit wenig ernsten Beiträgen rechnen und so ließ der auf der Hand liegende Witz nicht lange auf sich warten. Sprüche wie «Ich hab ein paar, ich schreib sie dir später» eroberten in Mehrfachausführung die Kommentarspalten. Auch andere Jodler und Jodlerinnen zeigten sich nicht von Ihrer hilfreichsten Seite:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Nichtsdestotrotz wurden auch noch einige hilfreiche Kommentare geschrieben. Besonders To-do-Listen und hilfreiche Apps wurden mehrfach empfohlen. Nachfolgend ein paar Screenshots solcher Kommentare, die vorgeschlagenen Apps werden im Verlauf des Artikels noch genauer vorgestellt. Lasst Euch vom schweizerdeutschen Kommentar nicht verwirren, auch der Channel der Universität Zürich hatte ein paar Tipps auf Lager. (Übersetzung: «Falls Du zu oft am Smartphone hängst, kann ich Dir die App Forest empfehlen»)

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Wie das mit den To-do-Listen hingegen nicht aussehen sollte, zeigte dieser Kommentar:

 

 

Tipps gegen Prokrastination?

Ich muss zugeben: Das Jodel-Experiment als großen Erfolg zu bezeichnen wäre übertrieben. Ein paar nützliche Tipps kamen mit der Zeit aber trotz allem zusammen. Dennoch: Dem Ziel des Artikels – möglichst viele Tipps gegen Prokrastination zu geben – werden die Jodel-Kommentare alleine nicht gerecht. Ich recherchierte also weiter. Ergebnis der Recherche ist die folgende Auflistung mit den besten Tipps gegen Prokrastination:

To-do-Listen

Ok, davon hatten wir es schon. Aber wie diverse Studien zeigen, ist fehlende Struktur ein essenzieller Bestandteil vom Prokrastinieren. Ein einfaches Mittel für etwas Struktur zu sorgen sind nun einmal Listen. Und außerdem sorgt das Abhaken von erledigten Aufgaben für mehr Motivation.

Kleine Aufgaben sofort erledigen

Eine E-Mail beantworten, die Spülmaschine ausräumen, den Müll runterbringen – kleine Dinge werden gerne verschoben. Doch mit der Zeit häufen sich diese zu einem riesigen Haufen von Aufgaben an, der das Prokrastinieren nur noch mehr verstärkt. Es lohnt sich also, solche kleinen Aufgaben einfach sofort zu erledigen.

Große Projekte zerlegen

Klassisches Beispiel hierfür wäre wohl eine Seminararbeit. Ein Projekt, das viel Zeit benötigt und dementsprechend für den Beginn viel Überwindung benötigt. Es lohnt sich, solche Projekte in kleinere Projekte zu zerlegen, die eine geringere Motivationsschwelle haben. Statt dem Projekt «Seminararbeit schreiben» hast du dann beispielsweise nur noch das Projekt «Einleitung schreiben» zu erledigen und das klingt doch schon nach deutlich weniger Stress.

Sich belohnen

Was bei Kindern und Tieren funktioniert, funktioniert auch bei uns. 😉 Eine Folge der Lieblingsserie auf Netflix, eine Partie FIFA oder einfach nur ein Stück Schokolade. Die Aussicht auf eine Belohnung kann zusätzliche Motivation schaffen.

Einen produktiven Ort suchen

Dieser Tipp richtet sich hauptsächlich an Studierende. Die Lokalität kann einen großen Einfluss auf unsere Lerneffizienz haben. Zu Hause lernen mag zwar gemütlich sein, bietet aber eine Unmenge an Ablenkungsmöglichkeiten. Es macht also Sinn, sich einen Platz zu suchen, an dem man sich ungestört auf die Arbeit konzentrieren kann. Falls es an der Uni oder in der Bibliothek keinen Platz mehr frei hat – in vielen Städten gibt es inzwischen Lernstudios bzw. Arbeitsplätze, die für ein paar Stunden oder einen Tag gemietet werden können. Das kostet zwar, kann aber durchaus eine Überlegung wert sein. Und wer zahlt, hat sicher noch mehr Motivation, sich nicht vom Lernen ablenken zu lassen.

Pausen machen, nichts erzwingen

Es gibt Momente, in denen unser Körper eine Aufnahmepause einlegt und einen Moment Ruhe braucht. Dann etwas herbeizuzwingen dürfte von wenig Erfolg gekrönt sein. Pausen und etwas Abstand zum Projekt sind genauso wichtig, wie die disziplinierte Arbeit zwischen den Pausen. Zudem können kurze Pausen die Kreativität erhöhen.

Pausen und etwas Abstand zum Projekt sind genauso wichtig, wie die disziplinierte Arbeit zwischen den Pausen tweet mich

Digitale Helfer

Apps können einem das Leben einfacher machen. Für To-do-Listen gibt es eine riesige Auswahl an Applikationen, doch es geht auch außergewöhnlicher. Mit der App «Habitica» wird das eigene Leben zum Spiel, die Prokrastination zum virtuellen Gegner. Wie das funktioniert, hat der Spiegel getestet.
Ein anderes Konzept verfolgt die App «Forest». Klingt paradox, aber sie soll einen davon abhalten das Smartphone zu nutzen. Ein digitaler Baum wächst, solange man dem Gerät fernbleibt. Mit der Zeit kann so ein virtueller Wald der Technikabstinenz entstehen. Das virtuelle Grün kann mittels verdienten Credits und der Organisation «Trees for the future» in richtige Bäume umgewandelt werden, die von der Organisation gepflanzt werden. Ein manchmal nicht ganz so ernst gemeinte App ist dann noch do it tomorrow.
Weitere interessante Apps fürs Studium gibt es übrigens unserem Artikel “10 hilfreiche Apps fürs Studium”.

Hilfe suchen

Wenn alle Maßnahmen nicht helfen, ist man manchmal auf Hilfe angewiesen. Seien dies Freunde und Freundinnen, die einen anspornen etwas zu erledigen, Lerngruppen zur gemeinsamen Prüfungsvorbereitung oder professionelle Hilfe in schweren Fällen. Denn wie im ersten Teil des Artikels zu lesen, kann Prokrastination auch eine Begleiterscheinung von psychischen Erkrankungen sein.

Wenn Du Anregungen für mehr Selbstorganisation im Studium suchst, schau doch hier vorbei. Oder Dir wird trotz all der Tipps und Tricks der Stress im Studium zu groß, dann kann Dir der Artikel “Das kannst Du tun, wenn der Stress im Studium zu groß wird” helfen. .

Hast Du weitere Tipps oder Erfahrungen mit Prokrastination oder eine gute Geschichte, wie Du sie besiegt hast? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

 

Teilt jetzt unseren Beitrag:
Flo Schütz

Flo Schütz

Florin studiert Geschichte und Publizistik an der Universität Zürich. Daneben arbeitet er als Journalist und Redakteur.
Flo Schütz