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Ich habe mal gelesen, dass Steve Jobs jeden Tag dasselbe Outfit trug, weil er sich der allmorgendlichen lästigen Frage nach der Kleidung entledigen wollte. Der Grund dafür klingt einleuchtend: Jeder Mensch habe nur eine bestimmte Kapazität Entscheidungen zu treffen, hieß es in dem Artikel. Ist sie aufgebraucht, war’s das mit den Entscheidungen. Also ist die Lösung des Problems, banale Entscheidungen aus dem Leben zu eliminieren und sich nur auf die Wichtigen zu konzentrieren. In der Praxis bedeutet das nicht nur dieselbe Kleidung in mehrfacher Ausführung zu kaufen, sondern auch die Essensgewohnheiten und Tagesabläufe anzupassen. Immer das Ähnliche einkaufen und essen, zur selben Zeit Sport machen, mit denselben Leute dieselben Unternehmungen am Wochenende planen. Ist ja alles schön und gut. Vielleicht lässt es sich auch teilweise umsetzen. Ich frage mich nur, was man machen soll, wenn man zwar die banalen Entscheidungen umgeht, sich aber dennoch mit einer Vielzahl wichtiger Entscheidungen konfrontiert sieht – vielleicht sogar gleichzeitig. Zum Beispiel: Kurz nach dem Abi soll man entscheiden was man wo studieren will, ob man davor noch reist, wenn ja mit wem (oder alleine?) und wann, müsste davor aber auch noch Geld verdienen, aber wo und wie?

Auch die Frage nach der Signifikanz der Entscheidungen scheint mir eine recht subjektive Angelegenheit zu sein. Für manche Menschen ist es vielleicht von größter Bedeutung die richtige Leine für ihren Hund auszusuchen, während es bei anderen um einen Geschäftsabschluss geht. Ich bin es jedenfalls leid Entscheidungen zu treffen. Es ist so anstrengend. Das beobachte ich nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen. Wie oft höre ich: „Ich kann mich nicht entscheiden. Sag Du“. Mental läuft dann ein sehr unangenehmer Prozess bei mir ab. Schon der Gedanke an eine Entscheidung lässt sämtliche Synapsen in meinem Hirn einschlafen. Sie ziehen sich eine Decke über den Kopf, verstecken sich und hoffen sie bleiben verschont. Wie schön wäre es sie einfach mal schlummern zu lassen und anderen das Zepter zu überreichen. Genau aus diesem Grund ist es so wahnsinnig befriedigend, wenn jemand sagt: „Mach dir keine Gedanken, ich habe mir etwas überlegt“.

Die Freude über ein heimlich geplantes Wochenende ist deshalb so groß, weil ein anderer sich alle Entscheidungslast aufgeladen hat. Es ist ein Opfer höchster Güte. Im Alltag erwartet das Leben von uns aber ja oder nein zu sagen und Pläne vorzulegen. Okay, manchmal ist Entscheidungen treffen auch toll. Delegieren macht Spaß. Auch das Vertrauen anderer zu genießen mir Entscheidungen zu überlassen, kann durchaus bereichernd sein. Dennoch, ich bleibe dabei, unterm Strich bin ich entscheidungserschöpft. Werde ich deshalb meine Klamotten vereinheitlichen und meine Einkaufsliste anpassen? Vermutlich nicht. Meine armen Synapsen…

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Katharina Klein

Katharina Klein

Katharina hat Anglistik studiert und schreibt für verschiedene Kanäle. Sie ist besonders an internationalen Themen und den großen Fragen des Lebens interessiert.
Katharina Klein

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