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Ich bin furchtbar ungeduldig. Wenn es nach mir gehen würde, sollte alles immer sofort erledigt werden. Wenn ich eine Frage stelle, möchte ich eine Antwort haben, wenn ich im Zug sitze, soll er auch losfahren. Ich will nicht warten. Ich hasse es. Nun kommt es aber so manches Mal im Leben vor, dass sich das nicht vermeiden lässt.

Als ich im ersten Semester von der Verwirrung um die Prüfungsanmeldung eingeholt wurde, war es zum Beispiel so weit. Keiner wusste dank alter Prüfungsordnung, was zu tun ist. Irgendein ausgefüllter Zettel sollte in irgendeine Box, irgendwo auf dem Campus eingeworfen werden. Also versuchte ich Licht ins Dunkel zu bringen und kontaktierte die für mich zuständige Mitarbeiterin im Prüfungsamt. Dann hieß es warten. Tagelang. Währenddessen rückte die Anmeldefrist immer näher, die Panik wurde größer.

Kurz bevor die Massenhysterie ausbrach, kam eine erlösende Information. Ein findiger Kommilitone begab sich auf die Suche und durchforstete sämtliche Gebäude, bis er in einem Gang, auf einem Stuhl platziert, eine Box mit der Aufschrift „Prüfungsanmeldungen“ fand. Er wurde gefeiert wie ein Superstar, er war der Messias mit der frohen Botschaft und wir alle waren gerettet. Meine Ungeduld war außerdem beendet und alles war gut. Spätestens da habe ich festgestellt, dass sich ungeduldig sein gar nicht lohnt. Es nervt nur, ändert aber nichts an den Umständen. Was ich nicht beeinflussen kann, muss ich loslassen. Aber wenn so viel anderes davon abhängt, nur wegen einer einzigen fehlenden Information gar ein ganzes Projekt aufs Abstellgleis gerät, fällt es schwer so zu denken. Da will ich dann wieder alles gleich.

Schier nicht aushaltbare Seelenqualen bereiten mir übrigens Mitmenschen, für die oder mit denen ich planen soll, die aber selbst nicht in der Lage sind zu planen. Teammitglieder bei Gruppenpräsentationen zum Beispiel oder einfach Freunde, die sich auf keine Organisation des Wochenendes festlegen wollen. Es treibt mich in den Wahnsinn, ewig nicht zu wissen, was passieren wird. Ich fühle mich aufgehalten, weil ich gerne vorbereite. Schafft es der Vortragspartner nicht seinen Teil zu machen, habe ich lieber eine vorgefertigte Version in der Hinterhand. Zerschlagen sich Pläne mit Freunden, will ich nicht ohne Alternativplan dastehen. Aber wenn alles klappt, trotz keiner sicheren Zusage, und ich davor schon Arbeit in Plan Bs gesteckt habe, eben weil niemand konkrete Aussagen treffen wollte, ärgere ich mich wegen der vergeudeten Herumüberlegerei. Es ist ein Dilemma.

Natürlich ist eins ganz klar: Das Problem bin ich, nicht die Anderen. Da am Ende tatsächlich meistens alles gut wird und ich mir nur unnötig Stress bereite, ist es an der Zeit an meiner Ungeduld zu arbeiten. Vielleicht sollte ich mal diejenige sein, die sich zurücklehnt und andere machen lässt. Mich beschleicht nur die leise Befürchtung, dass ohne solche Stresser wie mich, die eine oder andere Aktion gar nicht erst zustande kommen würde, weil sich niemand gerne kümmert. Wie auch immer: Sei es, wie es komme, ich habe genug. Ich schwöre der Ungeduld jetzt ab, mache mir keine Gedanken mehr und lebe auch einfach mal so in den Tag hinein. Zumindest probiere ich es mal. Am Samstag.

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Katharina Klein

Katharina Klein

Katharina hat Anglistik studiert und schreibt für verschiedene Kanäle. Sie ist besonders an internationalen Themen und den großen Fragen des Lebens interessiert.
Katharina Klein