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Ich lümmele gemütlich auf meinem Bett in meinem Zimmer, halb sitzend, halb liegend, angelehnt an die warme Heizung. Plötzlich bemerke ich aus dem Augenwinkel, dass etwas neben mir durch die Luft flirrt: eine Motte. Das ist nicht ungewöhnlich, in meiner WG haben wir immer mal wieder mit Motten zu kämpfen. In letzter Zeit war es mal wieder besonders schlimm. Täglich werde ich (im sonstigen Leben fast Vegetarierin) vier bis fünf Mal zur kaltblütigen Killerin von Motten. Immer öfter finden sie den Weg aus der „Küche“ (die in unserer Dachgeschoss-Wohnung einfach über den Flur verteilt ist) in unsere Zimmer.

Aber heute ist etwas anders. Noch während ich auf der Jagd nach dieser einen Motte bin, taucht neben mir eine weitere auf. Und dann noch eine und noch eine. Ich dreh mich um und sehe, dass am Drehknauf meiner Heizung ein Nest hängt. Ein Kokon wie aus dichten Spinnweben. Ich beuge mich näher ran, schaue durch ein Loch rein und sehe, dass es darin von sich windenden Larven nur so wimmelt. Mir bleibt fast keine Zeit für das sich einstellende Ekel-Gefühl. Plötzlich kommt ein ganzer Schwarm Motten aus dem Nest geflogen. Wie haben die überhaupt alle da reingepasst? Ich fühle mich wie in einem biblischen Untergansszenario. Schreie auf, möchte wegrennen und auf dem Weg nach draußen meine Mitbewohner warnen…

 

Albtraum Motte

Ich schrecke hoch. Es war nur ein Traum. Aber ich weiß auch, wenn ich nun schon Albträume davon bekomme, müssen wir in Sachen Motte einfach dringend einen Schritt weiter gehen. Denn eigentlich ist meine Mitbewohnerin die Ängstliche. Wann immer ich in meinem Zimmer bin und plötzlich lautes Kreischen aus dem Flur höre, weiß ich, dass sie mal wieder von einer aufstiebenden Motte überrascht worden ist. Manchmal reißt sie meine Zimmertür auf, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, und fragt mich zitternd, ob ich für Sie eine Motte töten könne. Auch wenn der heuschreckenartige Angriff des Mottenschwarms nur in meinem Traum stattgefunden hat. Es zeichnet sich doch ab, dass die Motten sich rasant vermehren und dass wir einen Schlachtplan brauchen.

Lebensmittelmotten waren bestimmt in jedem Haushalt schon mal ein Problem. Aber in größeren Studenten-WGs kann es besonders schnell besonders unangenehme Ausmaße annehmen. In all unseren Schubladen und Schränken sind Mehltüten, Reispackungen oder Teedosen, die scheinbar niemandem zu gehören scheinen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Überbleibsel von Vormietern handelt, ist groß. Aber nicht groß genug. Bei fünf Leuten kommt es nicht oft vor, dass alle gleichzeitig zu Hause sind. Bevor man also ungefragt etwas wegschmeißt, das vielleicht einem der aktuellen Mitbewohner gehört, stellt man es lieber direkt zurück. Tür zu und vergessen.

Der Schlachtplan

Bei einem zufälligen Zusammentreffen mit zwei Mitbewohnerinnen wird die Motten-Angelegenheit Thema. Mit vereinten Kräften und unter Zuhilfenahme eines Stuhles und unseres Hakenstabs (mit dem wir normalerweise das hoch gelegene Dachfenster auf- und zuziehen) entfernen wir drei Larven von der Decke. Anschließend starten wir gemeinsam eine Recherche. Was tun bei einer Mottenplage? Parasiten (Schlupfwespen, um genau zu sein) kann man entspannt im Internet bestellen. Die fressen die Mottenlarven. Sobald es davon keine mehr gibt, sterben die Schlupfwesten einen Hungertod. Klingt brutal, aber es wäre nicht das erste Mal, dass wir über Insektenleichen gehen. Als wir allerdings den Preis von über 60 Euro sehen, müssen wir doch schlucken. Unser Budget ist knapp.

 

Gemeinsam entwerfen wir Handlungsszenarien:

„Wir müssen Mottenfallen kaufen.“

„Die Lebensmittelschränke müssen mit Essig ausgewischt werden.“

„Wir müssen die Teeschublade / das Gewürzregal / das gemeinsame Küchenfach ausmisten.“

 

Und wie das nun mal so ist in einer Fünfer-WG mit viel beschäftigten Studenten: Nichts passiert. Bis ich meinen Albtraum habe. Gleich am nächsten Tag gehe in den Drogeriemarkt und zielstrebig zum Regal mit den Insektenfallen. Silberfischchenköder, Kleidermottenfallen, da, endlich, Lebensmittelmottenfallen. Das Fach ist leer. Ich beuge mich vor und schaue in die halbdunkle hintere Hälfte des Fachs. Leer, leer, leer. Ich fühle mich wie in einem schlechten (Horror-)Film, während ich mich auf den Weg zu einem anderen Laden mache. Hier habe ich mehr Glück. Die Fallen werden aufgehängt. Einen Tag später stolpere ich im Flur über die Flasche mit Essigreiniger. Ich bin so froh, dass auch meine Mitbewohner Anti-Motten-Maßnahmen ergreifen. Ich ärgere mich nicht einmal darüber, dass (mal wieder) vergessen wurde, die Flasche nach getaner Arbeit zurückzustellen.

So ist das Leben in der WG: Chaotischer als mir lieb ist (wobei ich, ähm, selbst sehr gut im Produzieren von Chaos bin) und mit nur mäßig erfolgreich eingehaltenem Putzplan. Aber wenn es drauf ankommt, ziehen wir alle an einem Strang.

Habt Ihr auch lustige oder spannende WG-Geschichten, die Ihr erzählen möchtet. Wir freuen uns auf Eure Kommentare!

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Franziska Saur

Franziska Saur

Studentin und Autorin bei Vom Buch zum Blog
Franziska studiert germanistische Sprachwissenschaften im Master an der Universität Heidelberg und beschäftigt sich auch auf Ihrem eigenen Blog ähnlichen Themen.
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